Biggala, grüne Wurst & Auszochene Nudeln: Landestypische Adventspeisen

Kennst du Biggala, Glöcklerkrapfen, Heilig-Abend-Nudeln, grüne Wurst oder Blattlstock? Wir nehmen euch mit auf eine kulinarische Advent-Reise durch Österreich.

Wenn auf unseren Adventmärkten nun schon Cakepops in Tannenbaumform verkauft werden, fragt sich manch einer: Wo ist unser Brauchtum hin? Gibt es keine österreichischen Traditionen und Gerichte mehr für diese Zeit der Besinnung? Man muss tatsächlich ein wenig recherchieren. Doch: Wir sind fündig geworden und haben landestypische Adventspeisen gefunden, von denen du womöglich noch nie gehört haben.

Kulinarische Adventreise durch Österreich

Tiroler, Salzburger, Oberösterreicher und Steirer haben vielleicht schon mit ihnen Bekanntschaft gemacht: Die Anglöckler sind traditionell an den ersten drei Donnerstagen im Advent unterwegs. Anglöckeln bedeutet soviel wie "anklopfen" oder "anläuten". Die Sängergruppen gehen zum Haus zu Haus und sollen Glück und Glück bringen. Man bittet sie aber nicht sofort herein, vielmehr müssen sie sich mit Versen und Gesängen den Einlass erbitten. Meist werden sie ein wenig bewirtet, dafür singen sie und tragen Gedichte vor. Die herzhafte Jause gemeinsam mit den Glöcklern ist ein typischer Adventbrauch, der auch heute noch vielerorts gelebt wird. Traditionell werden Bauernkrapfen, die sogenannten "Glöcklerkrapfen" als Dessert gebacken.

In Tirol gibt es ähnliche Krapfen als Weihnachtsdessert, man spricht von "Heilig-Abend-Nudeln" oder "Ausz'zoch'ne Nudeln". Der alte Glöcklerbrauch reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und soll die Geburt Christi ankündigen.  Damals ging es aber auch für viele Glöckler, die aus ärmeren Familien stammten, tatsächlich darum, Essen zu erbetteln: "Bitt´ gar schön um an Glöcklerkrapfen, unser drei san ma!", war ihr Lieblingszitat. Ähnliche Traditionen (wie die vorchristlichen Lärmumzüge zur Vertreibung der Winterunholde) gibt es noch viel länger. Richtig aufgelebt ist das Glöcklerbrauchtum übrigens im oberöstereichischen Salzkammergut, wo traditionell jedes Jahr verschiedene Glöcklerläufe stattfinden.

Heiliger Abend als Fasttag

Haben Sie schon einmal von Biggala gehört? Im oberen Lavanttal gibt es dieses Gericht traditionell zu Weihnachten und an Silvester. Es ist ein süßer Auflauf mit Zwetschken und Kletzen auf Basis eines Kärntner Reindlings. In vielen Bauernfamilien im Lavanttal gilt der Heilige Abend noch als fleischloser Fasttag. So wird mittags Gemüsesuppe und Biggala serviert, abends folgt eine kleine fleischlose Jause.

Zur Bescherung, die nach der Stallarbeit stattfindet, gibt es Kekse, Tee und Punsch. Erst nach der Christmette werden gemeinsam gekochte Selchwürste verspeist. Ein ähnliches Gericht wie Biggala ist der Osttiroler Blattlstock. Dieses reichhaltige Weihnachtsessen besteht aus krapfenähnlichen Platten, die übereinander geschichtet werden. Zwischen den sechs bis acht Schichten findet sich jeweils eine Creme aus gehackten Kletzen, Mohn, Zucker, Rum und Butter. Am Ende wird er nochmals zur Gänze mit zerlassener Butter übergossen.

Kletzenbrot aus dem Holzofen

Im Lesachtal wiederum backen die Bauern ihr Kletzenbrot noch selbst im Holzofen: Es wird mit Nüssen und getrockneten Früchten gefüllt. In Oberkärnten dagegen werden am 24.12. häufig Dampfnudeln mit Honigschmalz auf den Tisch gebracht.

Herzhafter geht es in Südkärnten zu: Am Weihnachtstag gibt es "grüne Wurst" (frisch zubereitete, nicht geräucherte Wurst). Das große Festmahl wird erst am Christtag in Form von Gans oder Karpfen serviert.